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Geschichte der Pflegefamilie
In allen Gesellschaften gibt und gab es Kinder und Jugendliche, deren leibliche Eltern vorübergehend, für längere Zeit oder auf Dauer nicht in der Lage oder willens sind bzw. waren sich um die ihnen anvertrauten Nachkommen sorgfältig und ausreichend zu kümmern.
Dass Kinder nicht in ihrer natürlichen Familie groß werden, war früher gar nicht so unüblich. Bei Armut oder chronischer Krankheit brachte man die Kinder zu Verwandten. Tagelöhner gaben ihre Kinder weg, damit sie sich bei Bauern selbst ihren Unterhalt verdienten. Arme Kinder wurden zu reicheren Familien gegeben, weil sie es dort besser hatten. In begüterten Familien kümmerten sich Ammen, Mägde, Kindermädchen oder unverheiratete Schwestern um die kleinen Kinder, später kamen sie in teure Internate.
Erst im zwanzigsten Jahrhundert wurde es zur Norm, dass allein die natürlichen Eltern und speziell die Mütter für die Erziehung der Kinder verantwortlich sind. Diese Festlegung macht Pflegefamilien neben staatlich organisierten Heimen oder Waisenhäusern zu einem Sonderfall – und bringt Eltern, die ihrer Erziehungsaufgabe nicht nachkommen können oder wollen in eine fast ‚schuldbeladene‘ Situation in unserer Gesellschaft.
Dabei ist es keineswegs eine Naturbegabung, Vater oder Mutter zu sein. Was es bedeutet, erfährt man günstigstenfalls in der eigenen Kindheit. Manchen ist das jedoch nicht vergönnt. Ihre Kindheit ist geprägt von Ängsten, Trennung und Verlust. Wenn sie eines Tages selbst Kinder haben, hat ihnen das Leben bereits so übel mitgespielt, dass sie nicht mehr lern- und beziehungsfähig genug sind, um ihre Elternrolle ausüben zu können. Sie geben auf und geben ab.
Natürlich kann das als ein Zeichen von Versagen und Schwäche gedeutet werden. Aber loslassen zu können und Unerreichbares nicht mehr erreichen zu wollen, sind auch Fähigkeiten, die vor allem den Kindern die Chance für einen neuen Anfang eröffnen.
Inhalt © Fostering First Deutschland 2012
